Freundschaft mit dem Ex

Es ist seit tausenden von Jahren immer das gleiche - eine Trennung, der Herzschmerz - seine Neue! Wobei es meiner Meinung nach vor tausenden von Jahren gar nicht so einfach war, sich eben mal so zu trennen. Dies müsste nun geschichtlich und zeitlich korrekt analysiert werden, aber erst einmal zurück zum Thema.

Das Einzige, was einem nach der Trennung noch bleiben könnte, ist die Freundschaft! Aber ist das wirklich nach allem, was passiert ist überhaupt möglich?
Die Trennung wäre einigermaßen überstanden und zumindest angenehmer, wenn man nicht wüsste, dass ER sich direkt nach mir in eine neue Beziehung gestürzt hat. Natürlich könnte es falsch von uns Frauen sein, zu denken, dass Männer sich auch Zeit zum "Trauern" nehmen, oder vielleicht sogar noch einmal ins Telefon hauchen: "Wollen wir’s nicht doch noch mal versuchen?" Wie ich feststellen musste, gebührte mir diese Ehre nicht! Stattdessen blickt man der Realität ins Auge und wird durch eine Ältere ersetzt! Ja, es mag sehr übertrieben klingen, aber auch bei uns blutjungen 20-Jährigen kratzt so etwas am Ego, wenn seine Neue, schlappe 30 ist und ihm jetzt schon zeigt, wie der Hase so läuft!

Es mag ein wenig Realitätsfern klingen, denn schließlich ist sie keine 20 Jahre älter und figürlich dürfte auch kein allzu großer Unterschied sein. Aber wenn wir doch mal ehrlich sind: Das Ego gestattet einfach keine positive Resonanz. Nieder mit der Neuen und nieder mit dem Ex! Es könnte alles so einfach sein, wenn da nicht ein gewisses Etwas wäre. Und zwar dieses kleine, aber dennoch sehr bedeutende Wort Freundschaft. Wenn man nicht will, dass der Ex- Freund, mit dem man ja schon so einiges Schönes geteilt und erlebt hat, ganz aus seinem Leben verschwindet, versucht man auch das über sich ergehen zu lassen! „Wir bleiben aber freunde, ja?“ Schließlich „will“ auch er es und so bleibt man zumindest immer auf dem neusten Stand.
Gut, um ehrlich zu sein stellt man sich das immer einfacher vor, als es in Wirklichkeit ist.
Um es anders auszudrücken: Es ist wohl einfacher über glühende Kohlen zu gehen, als gute Ratschläge für Seine und Ihre Zukunft zu erteilen. Aber wer sich die Suppe einbrockt, muss sie auch für gewöhnlich wieder auslöffeln, denn niemand gibt wirklich gerne zu, dass die Trennung einem zu schaffen macht. Ich gehörte dazu. Man ist stark und gönnt ihm sein neues Glück. Frei nach dem Motto: Augen zu und durch. Auf eine gewisse Art und Weise fühlt man sich ihm ja noch recht verbunden und sehr nahe stehend.

Irgendwann stellte sich jedoch die Frage, ob ich lächeln oder schreien soll, als ich hörte, wie toll sie doch ist. Das er sogar sexuell von ihr gezeigt bekommt, wo es lang geht.
(Mein persönliches Horoskop lautete in diesem Moment: Herzlichen Glückwunsch Frau R., Sie haben auf ganzer Linie kläglich versagt!)
Das netteste was er dann noch sagen konnte war: "Aber ich will hier keinen miteinander vergleichen". Ja, ich kann nur sagen, DAS hielt ich ihm dann wirklich zu Gute. Noch 2-3 Sätze mehr darüber und ich hätte mein Lächeln einfrieren müssen, damit es standhaft bleibt und sich nicht in heruntergezogene Mundwinkel und ein flatterndes Kinn verwandelt.


Da muss ich nun zähneknirschend durch. Ich habe es mir so ausgesucht. Natürlich auch mit dem kleinen und sehr dezenten Hintergedanken, ein wenig negatives über sie zu erfahren. Aber nein, das war leider nicht drin. Ich redete mir ständig ein, dass es an der rosaroten Brille liegt, die man anfänglich trägt. So etwas hilft!
Nachdem ich nach einiger Zeit und mehreren Magengeschwüren weiter, nun mehr als deutlich gemerkt habe, dass das Experiment Freundschaft mit dem Ex nicht wirklich gut bei uns funktionierte kam meine Phase B. "Vergessen" spielte dabei eine wichtige Rolle.
Ganz plötzlich viel mir doch ein, dass auch ich Single bin. Und das sollte man aus purer Überzeugung ausleben. Wer weiß, wann man wieder in solch eine Position gerät. Vielleicht erst in 10 Jahren, nach etlichen neuen und gescheiterten Beziehungen. Eine Stimme dröhnte durch meinen Schädel: Du bist noch jung, WILLKOMMEN IM LEBEN!

Meine Devise: Mitnehmen was kommt. (Ein gewisses Auswahlverfahren gab es jedoch schon). Das Ego aufpolieren und sich ein wenig Bestätigung holen kann ja nun auch nicht schaden. Was 30 jährige können, kann ich schon lange und schließlich möchte man seiner Ex-Freund- Freundschaft auch etwas bieten und erzählen können.
Nach einiger Zeit hatte ich zwar Gesprächsstoff, doch besser fühlte ich mich keineswegs! Ich hatte zwar Abwechslung, aber diese hielt oft nur für einen kurzen Moment, denn gegen den Zauber seiner Frischverliebtheit kam ich einfach nicht an.
Es kam der Moment, an dem man sich eingestehen musste, dass er „gewonnen“ hatte. Es ist schwer, sich damit abzufinden, doch eigentlich hatte nur noch eine Frau Platz bei ihm gefunden und das war nicht ich. Doch was ist das Resultat dieser ganzen Sache?

Man hat eigentlich nur 2 Möglichkeiten: Eine Freundschaft eingehen, wenn man dazu bereit ist oder es erst einmal ruhen lassen, bevor man sich in die nächste Krise des "Versagens" stürzt.
Vor tausenden von Jahren gab es diese ganzen Fragen überhaupt nicht. Es gab keine Trennungen, man war sofort verheiratet und musste dies sein Leben lang bleiben. Kam es einmal zu einem Ehebruch wurde man hart bestraft. Dafür gab es verschiedene Methoden. Die geläufigste war die Steinigung. Äußerst unangenehm und glücklicherweise heute nicht mehr angewandt. (Außer immer noch im Sudan und Nigeria)


Heutzutage ist es ein Leichtes sich zu trennen, oder Scheiden zu lassen. Damals sollte man, wenn man schlau war und gewissen Todesstrafen, wie oben eine erwähnt, besser aus dem Weg gehen. Eine Rebellion der Gefühle und das lustvolle Hingeben eines anderen Partners gegenüber bewies sich als eine äußerst schlechte Idee. Verbrachte man treu und bescheiden das Leben mit dem mehr oder weniger ausgewählten (Ehe-)Partner, konnte man gewissen Todesstrafen und/oder Quälritualen entgehen. (In manchen Fällen würde sich jedoch die Frage stellen, was die größere Qual gewesen wäre.) Im antiken Athen hätte es einem als Mann passieren können, dass einem eine Meeräsche (Knochenfisch) in den Allerwertesten gerammt wurde.


Ich für meinen Teil bin froh, dass wir uns heutzutage meist nur noch auf die Frage beschränken müssen, wie wir am besten mit unseren Gefühlen umgehen. Wohin mit der Trauer, der Wut und der Frustration. Was meines Erachtens ja alles schon schlimm genug ist.


Die Liebe - das wichtigste Glück auf Erden. Die Freundschaft danach - das schwierigste Glück auf Erden.
Ich denke, man sollte es einfach auf sich zukommen lassen, denn das ewige Gegrinse, welches man seinem Ex-Freund entgegen bringt, verursacht auf Dauer nur sinnlosen Muskelkater und die Angst, nie wieder "normal" schauen zu können überwiegt dann doch!


In diesem Sinne....
>> "Es lebe die Freiheit!" <<

29.4.09 12:31


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